Überragende erste Hälfte reicht nicht zum Erfolg

05.03.2019 · Handball

Merkwürdige Parallelen: Wie in Coburg erzielte der TSV auch am Freitagabend im TSV Bayer Sportcenter 13 Tore zur Halbzeit und 21 bis zum Schlusspfiff. Doch im Hinspiel lagen die Dormagener zur Pause bereits mit 13:20 hinten. Gestern führten sie gegen die Oberfranken nach 30 Minuten mit 13:11, verpassten aber die Sensation. Am Ende jubelten die Gäste über den 27:21-Erfolg (Hinspiel 37:21) und die Verteidigung des zweiten Tabellenplatzes in der 2. Handball-Bundesliga. Der TSV belegt vor den restlichen Begegnungen des 24. Spieltages weiterhin Rang 14. Am kommenden Samstag kommt es zu einem Traditionsduell: Die Mannschaft von Dusko Bilanovic muss am 9. März zum TV Großwallstadt reisen.

Vor 1208 zu großen Teilen kostümierten Zuschauern zeigte der TSV eine äußerst starke erste Hälfte. An der wendigen Abwehr bissen die Gäste sich die Zähne aus, vorne nahm zunächst Lukas Stutzke genau Maß. Tim Wieling, Benni Richter und erneut Stutzke erhöhten auf 4:1, ehe der exakte Pass von Sven Bartmann Eloy Morante Maldonado erreichte und der mit dem 5:1 in der 8. Minute Coburgs Trainer Jan Gorr zur ersten Auszeit zwang. Doch sein Team wirkte weiterhin unsicher und leistete sich den nächsten technischen Fehler. Patrick Hüter reagierte mit einem gelungenen Heber zum 6:1. Die Gastgeber ließen nicht locker und sorgten vor allem durch Wieling für die Sechs-Tore-Führung zum 11:5 in der 19. Minute. Hätte Tobias Varvne in dieser Phase nicht präzise abgeschlossen wäre der Dormagener Vorsprung noch deutlicher ausgefallen.

Dass die Schiedsrichter auf einen Mini-Schritt von Carl Löfström beim Anwurf mit einem Freiwurf für die Gäste reagierten, führte nicht nur auf der Tribüne zum Unverständnis. Ebenso wie eine umstrittene Zeitstrafe gegen Heider Thomas und ein Zeitspiel gegen Richter, der sich gerade am Kreis durchtanken wollte. Prompt schlichen sich jetzt Abspielfehler beim TSV ein, die Coburg zu erfolgreichen Kontern einluden und den Dormagener Vorsprung zur Pause auf 13:11 schrumpfen ließen. Nach dem Seitenwechsel machte Anton Prakapenia den Anschlusstreffer. Doch der TSV hielt dagegen, insbesondere durch den bestens aufgelegten Morante wenige Tage nach seinem 21. Geburtstag. Dank Wielings Dreher zum 17:14 lag der TSV in der 37. Minute wieder mit drei Treffern vorne. Doch plötzlich war die Luft raus: „Der Angriff war jetzt ein Totalausfall“, stellte Coach Dusko Bilanovic später fest. Tatsächlich dauerte es zehn Minuten bis zum nächsten Tor – da aber hatte Coburg insbesondere durch Florian Billek das Ergebnis hin zum 17:20 gedreht. „Wir haben über die Deckung zurück ins Spiel gefunden“, betonte Gorr.

Die Verunsicherung beim TSV wurde nicht geringer, als Lukas Stutzke nach seiner dritten Zeitstrafe in der 51. Minute die Rote Karte sah, Konstantin Poltrum einen Siebenmeter von Tim Wieling abwehrte und ein Wechselfehler Coburg die erneute Überzahl bescherte. Das Spiel war entschieden und ermöglichte so ein besonderes Fair-Play: Als die Schiedsrichter Eloy Morante wegen eines vermeintlichen Schlags ins Gesicht von Jakob Knauer mit zwei Minuten bestraften, wartete der bald 20-Jährige mit der Erklärung auf, dass nur die Brust getroffen wurde – und die Referees nahmen ihre Entscheidung zurück. Knauers Antwort auf dem Spielfeld folgte mit den Toren Nummer 24 und 25…

TSV Bayer Dormagen – HSC 2000 Coburg 21:27 (13:11)
Dormagen: Bartmann (6 Paraden), Broy (bei einem 7m); Reuland, Pyszora (n.e.), Eggert, Thomas, Löfström (2), I. Hüter (1), Köster (n.e.), Rebelo (1), Richter (1), P. Hüter (1), Jagieniak (n.e.), Morante Maldonado (4), Stutzke (3), Wieling (8/5).
Coburg: Kulhanek (11 Paraden), Poltrum (bei 4 7m und ab 58., 2 Paraden); Hagelin, Jaeger (5), Wucherpfennig, Sproß, S. Weber (2), Prakapenia (3), Billek (8/4), Timm (1), Knauer (3), Zeterman, Varvne (4), P. Weber (1).
Schiedsrichter: Friedel / Herrmann.
Zuschauer: 1208.
Zeitstrafen: 10:2 Minuten.
Siebenmeter: 5/6:4/4 (Poltrum hält gegen Wieling).
Spielfilm: 6:1 (10.), 6:3, 11:6 (20.), 12:8, 12:10 (25.), 13:10, 13:11 – 13:12, 15:12, 17:14 (37.), 17:20 (45.), 18:20, 18:22, 19:25, 21:27.

Quelle: TSV Bayer Dormagen
Foto: Heinz Zaunbrecher